Das Karpaltunnelsyndrom beruht auf einer chronischen Druckschädigung des Nervus medianus (des Armmittelnerven) innerhalb des Karpaltunnels im Bereich des Handgelenkes, der Handwurzelknochen. Die Druckerhöhung kann durch Einengung des Tunnels (z.B. nach Speichenbasisbruch), meistens aber durch schwellungsbedingte Volumenzunahme in diesem Tunnel hervorgerufen werden.

Neurologische Untersuchungen

Trotz der typischen Krankheitsgeschichte und der häufig eindeutigen Untersuchung wird die Diagnose gesichert und anderen Krankheiten mit ähnlichen Beschwerden ausgeschlossen: eine neurologische Untersuchung und eine elektrophysiologische Nervenmessung ist Pflicht vor der weiteren Behandlung.
10.000 Neuerkrankungen in Berlin pro Jahr 100%
Anteil der Frauen: 72%
beidseitiges Auftreten: 80%
von weiblichen Reinigungskräften haben es: 48%
Von Schwangeren haben es 17%

Die betroffenen Patienten klagen über kribbelnde, nadelstichartige Missempfindungen und Fingertaubheit, die bevorzugt nachts auftreten und sich durch Schütteln der Hand bessern. Oft überschreiten die Beschwerden das umschriebene Versorgungsgebiet des N. medianus (Beugeseite der Finger 1 bis speichenseitige Hälfte des 4. Fingers ) und greifen auf die Ellenseite der Hand und auf den Unterarm über.

Neben der meist typischen Anamnese (Angaben des Patienten über die Beschwerden, deren Dauer und Auftreten) kann die Diagnose im Regelfall bei der klinischen Untersuchung bei uns gestellt werden. Falls eine Operation notwendig wird, sollte die Diagnose durch eine neurologisch – apparative Diagnostik (sensible und motorische Neurographie, distale motorische Latenzzeitbestimmung des kurzen Daumenabspreizermuskels) bestätigt werden. Es gibt jedoch Fälle, bei denen diese neurologische Diagnostik keine eindeutige Bestätigung bringt.

Behandlung

Zunächst wird konservativ behandelt. Wenn die konservative Therapie mit Schonung, Nachtschiene, evt. Cortisonspritzen über 8 Wochen keine wesentliche Besserung bringt, ist eine Operation häufig der nächste Schritt.

Operation

Wie bei allen anderen operativen Eingriffen auch, ist der Patient bei einem Operateur gut aufgehoben, der den Eingriff häufig und regelmäßig durchführt. Er sollte sowohl die offene Operation als auch eine Schlüssellochmethode beherrschen, um indikationsgerecht beide Methoden anbieten zu können. Die Zusatzqualifikation Handchirurgie ist nicht von entscheidender Bedeutung.

Endoskopische Methode

Bei der Spiegelungsoperation verwenden wir die 2 Portal Methode nach Chow.
Bei uns werden beide Operationsmethoden angeboten. Beide Verfahren haben keine eindeutigen Vor- und Nachteile. Von der minimalinvasiven Methode ( Schlüssellochtechnik ) mit zwei kleinen Schnitten (Operation nach Chow, modifiziert) verspricht man sich neben einer kürzeren Operationszeit eine höhere Patientenzufriedenheit und einen geringeren Narbenschmerz.

Offene Retinakulumspaltung

Die offene Kurzschnitttechnik kann mit anderen Eingriffen kombiniert werden.
Die offene Methode benutzen wir bei ungünstigen Weichteilen und voroperierten Händen / voroperierten Karpaltunnelsyndromen, wenn es zu einem Wiederauftreten der Erkrankung gekommen sein sollte. Auch eine fehlende gute Überstreckbarkeit oder ein begleitender Morbus Dupuytren sind Gründe, nicht endoskopisch zu operieren. Zusätzlich werden Patienten, bei denen ein Begleiteingriff vorgenommen werden soll (Entfernung von Hüllgewebe der Sehnenscheide (Rheumaktiker) bei uns offen operiert.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung bezieht sich im Wesentlichen auf die Beobachtung der Wundheilung und das Ziehen der Fäden nach etwa 10 Tagen. Die Finger können und sollen sofort nach der Operation „spielen“ also leicht bewegt werden. Eine definitive Ruhigstellung in einer Gipsschiene oder konfektionierten Schiene ist nach der Operation nur in Ausnahmefällen notwendig. Anfangs wird ein stützender Kompressionsverband angelegt, später genügen Pflaster. Eine krankengymnastische Übungsbehandlung ist meist nicht notwendig.

Alle Eingriffe sind grundsätzlich ambulante Operationen.

Prognose

Wenn die Operation rechtzeitig durchgeführt wird, ist sie sehr gut und verschlechtert sich, wenn zwischen dem ersten Auftreten der Beschwerden und der Operation mehr als 3 Jahre liegen. Aber auch bei langanhaltenden „ausgebrannten“ Karpaltunnelsyndromen wird häufig eine Beschwerdelinderung erreicht.

Direkt nach der Operation wird sich der nächtliche Schmerz, den die Patienten vorher angegeben haben, bessern. Die Sensibilitätsstörung, also die herabgesetzte Empfindlichkeit, besser sich nach Wochen, kann aber auch bis zu 6 Monate dauern. Stärkere Narbenschmerzen, die selten vorkommen, bessern sich im Regelfall bis zum Ablauf des 6. Monates. Die gelegentlich beklagte Kraftminderung bei körperlich schwer arbeitenden Patienten klingt häufig nach 3 Monaten ab.

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2017-07-08T11:35:16+00:00