Loading...

vorderer Schienbeinkantenschmerz (Tibiakantensyndrom, Shin splint)

Die Schmerzen an der Schienbeinkante (Vorderseite) sind sehr häufig auftretenden Beschwerden am Unterschenkel, die überwiegend durch sportliches Training und Belastungen verursacht werden.

Die Beschwerden können unabhängig von der Leistungsklasse des Sportlers oder der Sportlerin auftreten. Die Beschwerden setzen häufig langsam ein und sind anfangs erträglich in ihrer Ausprägung. Wird zum Beginn der Beschwerden keine Therapie oder Anpassung des Trainings vorgenommen, können sich die Beschwerden chronifizieren und führen teilweise zu einem längeren Ausfall.

Im Prinzip ist von einer Überlastungsreaktion im Sinne einer Entzündungsreaktion des überlasteten Gewebes am Schienbein und dem hinteren Schienbeinmuskel auszugehen. Der Muskel zieht an der inneren Schienbeinkante, an der er großflächig ansetzt. Durch Überlastung kommt es hier zu schmerzhaften lokalen Entzündungsredaktionen bis hin zu einer fortgeschrittenen Knochenhautentzündung.

Anamnestisch beklagen die betroffenen Sportlerinnen und Sport über einen Belastungsschmerz, der teilweise nach Beginn des Lauftrainings auftritt und die bis über die gesamte Belastung überdauern kann. Die Betroffenen halten den auftretenden Schmerz zunächst aus und trainieren unbewusst der möglichen Schädigung weiter bis teilweise im weiteren Verlauf ein Belastungsabbruch auftreten kann.

Klinisch dominiert in wenigen Fällen eine leichte Schwellung über den mittleren und unteren 2/3 der innenseitigen Schienbeinkante. Häufig findet sich in dem Bereich eine auslösbare Schmerzhaftigkeit, die sich durch eine Beugung im oberen Sprunggelenk provozieren lässt. Insbesondere während oder kurz nach der Belastung lässt sich an der inneseitigen Schienbeinkante eine verhärtete und schmerzhafte Muskulatur tasten.

Kai Dragowsky
Kai Dragowsky
Kniechirurgie
Arthroskopien
Sportmedizin

Häufige Gründe für das Auftreten der Beschwerden

  • intensives Training und gesteigerte Belastung

  • Training wiederholt auf hartem Untergrund

  • Wechsel der Lauftechnik

  • Vorfußläufer bzw. Belastung überwiegend auf dem Vorfuß

  • Fehlstellung im Fuß – vermehrte Außenrotation oder Pronation des Fußes

  • Schuhwechsel ohne Anpassungszeit

  • Größere Änderung des Trainingsumfanges

Das Schienbeinkantensyndrom ist ein sehr häufiges Problem beim Sportler und nach Literaturangaben der dritthäufigste Sportschaden (Nicht-Unfall). Nur die Achillodynie (Achillessehenverkürzung) und die Stressfraktur sind häufiger.

Kai Dragowsky

Nach der obligatorischen klinischen Untersuchung und der Anamnese erfolgen häufig speziellere Diagnostikschritte, um die sogenannten Differentialdiagnosen auszuschließen. Zu den Untersuchung zählt häufig die Röntgendiagnostik, die jedoch häufig keinen pathologischen Befund ergibt.

Die Kerspinuntersuchung (MRT) kann in einigen Sequenzen eine Flüssigkeitsansammlung bzw. Flüssigkeit in der Muskulatur aufzeigen. Wichtig im Rahmen dieser speziellen Untersuchungen ist jedoch primär der Ausschluss einer sogenannten Stressfraktur, die ein ähnliches Beschwerdebild aufzeigen kann.

Eine komplikationsträchtige und schwerwiegende Differentialdiagnose ist das sogenannte Kompartmentsyndrom oder Logensyndrom, wobei es hier zu einer schwerwiegenden Schädigung der Muskulatur kommen kann, welches aufgrund einer Druckerhöhung in den Faszienlogen entsteht.

Mögliche Differentialdiagnosen für die Beschwerden

  • Knochenhautentzündung anderen Ursprungs

  • mögliche Ermüdungsfraktur des Schienbeines

  • Muskelfaserriss oder Muskelzerrung

  • Sehnenansatzreizungen

  • Neurologische Ursachen (Nervenkompression)

  • Bandscheibenläsion der LWS mit neurologischer Komponente

  • Venöse Insuffizienz mit Stauung (Venenentzündung)

Die Diagnose ist zunächst für die oder den Betroffene(n) in vieler Sicht schmerzlich, bedeutet sie doch ein Belastungsverzicht, um eine Chronifizierung der Beschwerden zu vermeiden. Natürlich ist für jede Läuferin oder Läufer dieser Hinweis kaum akzeptabel, jedoch bringt die alleinige Belastungsrücknahme nahezu immer ein Beschwerdefreiheit. Das Training ist erst nach Rückgang der Beschwerden in Ruhe sowie unter leichter Belastung wieder aufzunehmen. Unterstützend sind physikalische Maßnahmen wie Iontophorese, Ultraschall oder Kalt- Warmanwendungen sinnvoll.

Medikamentös werden häufig Antiphlogistika als Salben oder als orale Schmerzmedikation eingesetzt. Arnica bzw. Quarkwickel können ebenfalls den akuten Entzündungsprozess positiv beeinflussen.

Ein besondere Fokus liegt in der Anwendung der sogenannten Faszienrollen, die in ihrer Anwendung schmerzhaft, aber wirkungsvoll eingesetzt werden können.

Bei unüberwindlichen Beschwerden, die unter den angezeigten konservativen Wegen keine Besserung finden ist ggf. eine Injektion mit Cortison zu diskutieren, jedoch in unseren Augen eher zurückhaltend und kritisch zu bewerten.

Faszienrolle

Fazienrollen haben im Sport schon lange einen großen Stellenwert. Sie sind in der Erwärmung und Nachbereitung sowie Rehabilitation nicht mehr wegzudenken.

Sensomotorische Einlegsohlen

Die Profi´s unter den Einlagen sind bei speziellen Krankheitsbildern nicht wegzudenken.

Dehnübungen

Ohne Dehnung geht gar nichts, jeder weiss es, kaum einer macht es. Dabei sind einfache Übungen jederzeit durchführbar.

Fazit

Werden die Therapievorschläge im Vorfeld umgesetzt lässt sich eine ausreichende Prävention erzielen. Selbstverständlich ist das richtige Schuhwerk für den jeweiligen Untergrund unabkömmlich. Nicht selten sind mehrere Paare Schuhe für den ambitionierten Läufer notwendig. Auch ein regelmäßiger Wechsel der Schuhe kann hier helfen. Ein wichtiges Augenmerk ist auf die Fußkonfiguration zu legen und sollte gegebenenfalls vom Experten eingeschätzt werden. Die Korrektur biomechanischer Pathologien durch Einlagen sind bei dem heutigen Entwicklungstand der Einlagenproduktion ein Muss.

Selbstverständlich ist auch ein Blick auf die jeweilige Lauftechnik zu legen und es sollten erfahrene Trainer hinzugezogen werden.

Die Trainingsreizes sollten an den saisonal bedingten Leistungsstand des Sportlers realistisch angepasst werden, somit kann die Entstehung des  Schienbeinkantensyndroms verhindert werden.

2018-05-02T16:27:19+00:00